Wo geht die Reise hin?

Tonstudios sind faszinierend!

Ein kleiner Rückblick hilft - nicht vollständig, dafür kurz...

Nicht so lange her…

Ein Tonmeister (abgeschlossenes Studium) sitzt im Regieraum. Vor ihm am Mischpult sitzt der Toningenieur, und an der Bandmaschine der Tape-Operator. Im Aufnahmeraum werden die Mikrofone von den dafür ausschließlich zuständigen Experten ausgerichtet. Ansonsten ist Anfassen verboten!

Der Tonmeister liest die Partitur. Er beauftragt den Toningenieur, der ebenfalls die Partitur – also die Noten – lesen kann, z.B. in Takt 7 bei den Violinen bei 5000 Hz 3 db anzuheben.

Für eine Aufnahme beauftragt der Toningenieur den Tape-Oprator, die Bandmaschine mit der Aufnahme zu starten – eine Remotecontrol gab es noch bis in die 60er nicht.

Eine Schallaufnahme war großes Kino, 4 – 8 Spuren High-Tech.

Die 70er

Hurra! Jetzt konnte man als One-Man-Show das Studio bedienen. Mit Fernbedienung der Bandmaschine! Und die ersten 2″ 24-Spurmaschinen waren da.
Die Bedienung der Technik wurde mit der eines Flugzeugs verglichen. Wann fliegen wir zum Mond? Das hat man oft gehört…

Die 80er

Charlie Steinberg kam als Tonmeister zu uns ins Studio. Er sagte zu mir: „Andreas, Du mußt Musik mit dem Computer machen“. Ich hatte einen Commodore C-64, der machte nur Piep. Und ich hatte auch keine Ahnung, wovon Charlie sprach. Er hat das dann später Cubase genannt – mehr muß ich dem nicht hinzufügen.

Logic Pro hat seine Wurzeln übrigens auch in Hamburg. Schaut mal hier bei Gerhard Lengeling

Die ersten Workstations wie das AudioFrame/WaveFrame machten den Studios das Leben schwer weil teuer (160.000 DM/82.000 Euro) und dazu noch unzuverlässig.

Mit Paul Hardcastles Song „19“ nahm dann die Maschinenmusik endgültig Fahrt auf.

Die 90er

Andreas Drewling, Manfred Brunwey und ein SONY Mitarbeiter bei der Übergabe der SONY PCM-3348.

Zwei synchronisierte 24-Spurmaschinen waren bereits seit Anfang der 80er Standard. Bandbasierte Digitalmaschinen mit bis zu 48 Spuren (SONY 3348 DASH) hatten da nur eine kurze Lebensdauer (Neupreis 348.000 DM/178.000 Euro).

Ein Tonstudio kostete aber immer noch locker 1.000.000 DM (ja, das heißt eine Million Deutsche Mark…;-)

Das Jahr 2000

Die Übernahme von Emagic durch Apple war für die Audioproduktion im Computer ein Turbo. Man bekommt für eine kleine Gebühr ein komplettes Tonstudio, von dem wir in den 80ern geträumt haben. Damals hat uns das komplizierte Handling der Technik inkl. Rauschen eher genervt. Heute weiß man allerdings die Analogsounds wieder zu schätzen.

Alles ist erlaubt…

Aber die Dinosaurier, zu groß und zu behäbig, hatten es schwer. Die kleinen Schnellen, mit den guten Ideen, waren klar im Vorteil. Warum? Ganz einfach: geringere laufende Kosten bei gleicher – oder vielleicht sogar besserer – Manpower/Kreativleistung. Und vor allen Dingen: keinen Respekt vor den alten Strukturen!

Das wurde auch beim Filmton sehr deutlich: innerhalb kurzer Zeit flogen die Cordläufer (meist von MWA Albrecht) aus den Maschinenräumen und wurden durch Workstations ersetzt. Auch bei den Mischpulten stellte man schnell fest, daß sie zum Abstellen von Kaffeetassen sehr unpraktisch waren: zu schräg, zu viele Knöpfe. Allerdings machten sie optisch noch lange was her…;-)

Und Fernübertragungen in Echtzeit wurden möglich. EIn Gerät wie z.B. das APT-X bündelte 3 ISDN-Leitungen und konnte so mit dann 6 digitalen Telefonleitungen in guter Qulität Aufnahmen mit anderen Studios durchführen. Für die Sprachaufnahme war das ein Durchbruch…

Ja, alles ist erlaubt....

Ohne super Akustik oder sogar ganz ohne Aufnahmeraum eine Violine aufnehmen? Oder einen Vocal-Track mal kurz übers Netz schieben? Leute, ihr wißt selbst, wie das heute läuft. Technisch gibt es kein Limit mehr. Und für die Mikrofonierung braucht man auch keine Diplomarbeit mehr zu schreiben.

Hilfe! Wildwuchs, Anarchie? Nein, alte Besitzstände werden nur neu verteilt…

Was bleibt

Heute zählt nur noch Talent und Kreativität. Der technische Aspekt ist unwichtig geworden. Aber er macht auch nur einen kleinen Teil der Audiobranche aus. Der kreative Sparringspartner des Kunden wird noch wichtiger als er es ohnehin schon immer war. Die Beratungsleistung ist das Kriterium nach dem sich der Kunde seinen Audiopartner aussucht.

Das Office – mit allen seinen Dienstleistungen – erhält nun endlich die Wertschätzung, die es immer schon verdient hätte.

War's das?

Die Audiobranche ist mehr als das Heer der Musikproduzenten im freien Markt. Audio wird als Dienstleistung gebraucht. Ob die Dienstleistung noch die Studios braucht ist die Frage. Ich behaupte: ja – wenn sich die Studios anpassen und mit dem Markt mitgehen.

Du hast bis hier unten gelesen! Das freut mich. Es soll ein Anstoß sein, den Dialog über die Zukunft der Audiobranche aufzunehmen.

Bereits Klaus Funk (Studio Funk) hat schon vor vielen Jahren den Braten gerochen und sein Tonstudio lieber Audioproduktionshaus genannt. Denn wenn man sogar komplexe Musikproduktionen zuhause durchziehen kann, geht das mit einer Sprachaufnahme erst recht.

Die Richtung stimmte, wie sieht der nächste Schritt aus?

Der Blick nach vorn

Der Anbietermarkt wird größer und unübersichtlicher. Der Kunde möchte aber von der Vielzahl der Möglichkeiten profitieren.
Wenn das Tonstudio Ansprechpartner für den Kunden bleiben möchte, sollte es dieser Entwicklung Rechnung tragen. Es hat viel zu bieten, was bisher als Abfallprodukt angesehen wurde…

 

Times Change – Let’s talk!

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